Wo auch immer Guido Westerwelle (FDP) die Gelegenheit hat, kritisiert er das bevorstehende TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier. Herrn Westerwelle muss wohl der “Allerwerteste auf Grundeis” gehen, wenn er so oft auf dieses Duell hinweist. Anscheinend fehlen ihm Argumente, mit denen er den Wählern die Politik der FDP schmackhaft machen könnte. Ob ihm aber dieses “Geheule” Stimmen bringt oder eher Stimmen kostet, werden wir am 27.09. sehen. Ich möchte mir aber nicht vorstellen, wie es sein wird, wenn die FDP in die Koalition geht und ein Guido Westerwelle Deutschland als Aussenminister vertreten wird.

Steinmeier tritt zurück …

Steinmeier tritt zurück – dieser Fall könnte nach der Bundestagswahl eintreten. Experten gehen davon aus, dass bei der Bundestagswahl Schwarz/Gelb keine Mehrheit bekommt. Für Rot/Grün wird es auch nicht reichen und die FDP wird sich für eine Ampelkoalition nicht zur Verfügung stellen. Somit wäre die Linke das Zünglein an der Waage. Dieses wird aber von Müntefering und Steinmeier bis 2013 abgelehnt, obwohl die SPD sich auf Länderebene bereits der Linken annähert. Ohne die Linke wird es auf Dauer kein SPD-Kandidat in das Kanzleramt schaffen. Sollte Steinmeier sein Ziel nicht erreichen, könnte er nach der Wahl zurücktreten und den Weg für z.B. Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit frei machen. Das wäre dann aber politischer Selbstmord. Es wird wohl zu einer Neuauflage der großen Koalition kommen, die wahrscheinlich nicht lange Bestand hat, da das Verhältnis zwischen CDU und SPD jetzt schon zerrüttet ist. Der Weg für Neuwahlen und einer Koaltion zwischen SPD, Grünen und Linken wäre dann frei.

Die Kanzlerkandidaten seit 1949

Wer erinnert sich nicht gerne an ehemalige Kanzlerkandidaten, die Charisma hatten und die Bevölkerung mit ihren Reden auch erreicht haben? Wenn man heute Angela Merkel mit Konrad Adenauer oder F.-W. Steinmeier mit Willy Brandt vergleicht, so liegen dazwischen doch Welten. Ich habe hier noch einmal chronologisch alle Kanzlerkandidaten seit 1949 aufgelistet.

1949 Konrad Adenauer (CDU) Bundeskanzler
1953 Konrad Adenauer (CDU) Bundeskanzler
Erich Ollenhauer (SPD)
1957 Konrad Adenauer (CDU) Bundeskanzler
Erich Ollenhauer (SPD)
1961 Konrad Adenauer (CDU) Bundeskanzler
Willy Brandt (SPD)
1965 Ludwig Erhardt (CDU) Bundeskanzler
Willy Brandt (SPD)
1969 Kurt Georg Kiesinger (CDU) Bundeskanzler
Willy Brandt (SPD)
1972 Willy Brandt (SPD) Bundeskanzler
Rainer Barzel (CDU)
1976 Helmut Schmidt (SPD) Bundeskanzler
Helmut Kohl (CDU)
1980 Helmut Schmidt (SPD) Bundeskanzler
Franz-Josef Strauß (CSU)
1983 Helmut Kohl (CDU) Bundeskanzler
Hans Jochen Vogel (SPD)
1987 Helmut Kohl (CDU) Bundeskanzler
Johannes Rau (1987)
1990 Helmut Kohl (CDU) Bundeskanzler
Oskar Lafontaine (SPD)
1994 Helmut Kohl (CDU) Bundeskanzler
Rudolf Scharping (SPD)
1998 Gerhard Schröder (SPD) Bundeskanzler
Helmut Kohl (CDU)
2002 Gerhard Schröder (SPD) Bundeskanzler
Edmund Stoiber (CSU)
2005 Angela Merkel (CDU) Bundeskanzlerin
Gerhard Schröder (SPD)

Wer sich ein wenig mit den täglichen Nachrichten beschäftigt, wird sich diese Frage wohl schon öfters gestellt haben. Seit meinem 18. Geburtstag habe ich jede Wahl wahrgenommen. Dieses habe ich auch als meine Bürgerpflicht angesehen. Bei den Landtags- und Bundestagswahlen habe ich immer eine bestimmte Partei gewählt. Lediglich bei den Kommunalwahlen bin ich schon mal abgewichen. Ich nenne hier keine Partei, da ich weder Stimmung für noch gegen eine bestimmte Partei machen möchte. Dafür gibt es ja auch die Bildzeitung (Bild Dir Deine Meinung). Dieses Jahr weiss ich aber wirklich nicht, welcher Partei ich meine Stimme geben soll. Stimmenthaltung wird es aber keine geben.

Der gesamte Wahlkampf ist so etwas von langweilig geworden, dass ich die Verdrossenheit vieler nachempfinden kann. Was waren die früheren Wahlkämpfe doch noch spannend. Auftritte von Politikern wie z.B. Franz-Josef Strauss, Herbert Wehner, Willi Brandt oder Helmut Schmidt wecken eine gewisse Wut in mir, wenn ich dann an Steinmeier, Westerwelle oder Merkel denke. Von Gysi oder Lafontaine will ich erst garnicht reden, bzw. schreiben. Was haben die sich damals gefezt! Heute ist es nur noch ein Schlafwagen-Wahlkampf. Es wird gelogen, bis sich die Balken biegen. Die einen versprechen Geschenke für die Bürger, die anderen Arbeitsplätze. Kein Versprechen kann eingehalten werden. Umfragen ergeben, dass die CDU und FDP die Mehrheit erreichen wird. Aber es handelt sich nur um Umfragen. Auch wenn diese repräsentativ sein sollen. Dabei sind fast 30% der Wähler noch unentschlossen …

Es wird wohl wieder kurz vor der Wahl entschieden, wer uns die nächsten Jahre regiert. Fazit: Lieber zur Wahl gehen und die Stimme abgeben, als durch Enthaltung Randparteien die Möglichkeit zu geben, die Poltik mitzubestimmen.